Geburtsschaden Fachanwalt Medizinrecht Eschweiler
Marl Aktuell - Sonntagsblatt vom 01. November 2008 - Fehler bei der Behandlung: Kein Auto, keine Freundin, kein Urlaub
FEHLER BEI DER GEBURT: KEIN AUTO, KEINE FREUNDIN, KEIN URLAUB
Marler Anwalt Hermann: Alles eine Folge von Sauerstoffmangel vor 26 Jahren. Jetzt fordert er 200.000 Euro vom Knappschaftskrankenhaus
Recklinghausen. Er hat den Führerschein, darf aber nicht fahren. Die Beine jucken, er hat Kontaktschwierigkeiten und den zwanghaften Drang, Dinge zu ordnen. Er fährt nicht in den Urlaub und kann sich kaum konzentrieren. Eigentlich aber möchte der Recklinghäuser Jan K. ganz normal sein. Doch er hat seit seiner Geburt vor 26 Jahren Probleme. Und deshalb verklagt er jetzt das Elisabeth-Krankenhaus Recklinghausen auf mehr als 200.000 Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz.
„Über die Erkrankung haben die Eltern lange Jahre, nämlich bis vor Kurzem, mit meinem Mandanten selbst kaum gesprochen, um ihn damit nicht weiter zu belasten“, erklärte der Marler Patientenanwalt Stefan Hermann die ungewöhnlich späte Reaktion. Denn Auslöser aller Probleme sollen Behandlungsfehler bei der Geburt im Jahr 1982 gewesen sein.
Damals hatte im Elisabeth-Krankenhaus die Geburt ungewöhnlich lange gedauert, weil sich der Junge mit einer Schulter verkantete. Es kam zu Sauerstoffmangel-daraus resultieren die heute epileptischen Anfälle, so der Anwalt.
Der Mutter fiel erst 14 Monate nach der Geburt auf, dass ihr Sohn zurückgeblieben war, erst mit viereinhalb Jahren wurden in der Vestischen Kinderklinik autistische Züge und Epilepsie festgestellt. Dass im „Geburtsmanagement“ ein Fehler vorgekommen sei, das vermutete die Mutter damals noch nicht.
Erst vor Kurzem, als ihr Sohn sich die bislang weggeschlossenen Unterlagen las, kam dem ein Verdacht – und zog deshalb den Marler Anwalt zu Hilfe. Dessen Vorwurf: Der Sauerstoffmangel bei der Geburt sei vermeidbar gewesen, die Ärzte hätten auf eine Verkantung der Schulter nicht richtig reagiert und die Geburt verzögert.
Der 26-Jährige ist heute auf umfangreiche Hilfe angewiesen. Er hat immer wieder Aussetzer (und darf deshalb nicht Auto fahren), er leidet mehrmals täglich an Muskelzuckungen. Bei Stress bekommt er Schmerzen, derzeit ist er (als Sachbearbeiterin einer Behörde) arbeitsunfähig. Stefan Hermann: „Wenn er stark angespannt ist, muss er sich die Fäuste ans Kinn drücken, den Kopf einziehen als wenn er sich vor irgendetwas schützt, und die Augen schließen.“ Vom Recklinghäuser Krankenhaus hat er jetzt 150.000 Euro Schmerzensgeld gefordert, außerdem eine Rente. Als Verdienstausfall für die letzten sieben Jahre fordert er mehr als 50.000 Euro (künftig 600 monatlich).
Das Elisabeth-Krankenhaus lehnte eine Stellungnahme mit dem Hinweis auf das laufende Verfahren ab.
